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Unser Kommentar zur Pressemeldung LRA Ilmkreis vom 01.07.19

Hallo liebe Speeddays & Dragrace-Fans,
die Absage der Rennsportveranstaltung Speeddays auf dem Flugplatz Erfurt/Alkersleben haben wir vornehmen müssen, nachdem die Genehmigung durch das Landratsamt Ilmkreis versagt wurde. Wir bedauern das nach 14 Jahren Speeddays ohne Zwischenfälle.
 
Durch die Veröffentlichung einer Pressemitteilung durch das Landratsamt sehen wir uns allerdings aufgefordert, die geschilderten Sachverhalte zu ergänzen und mit Hintergrundinformationen zu versehen, die natürlich in dieser Pressemitteilung ausgespart wurden.

Das Landratsamt Ilmkreis hat sich am 01.07.2019 in einer Pressemitteilung zur Absage der SPEEDDAYS 2019 in Alkersleben geäußert. Inhaltlich hat man die Begründung des Versagungsbescheides in Auszügen kopiert und als Presseerklärung verwandt. Leider stellt diese Pressemitteilung die Situation im Vorfeld der Veranstaltung nur sehr unvollständig dar. Wichtige Aussagen und Handlungen der Ämter fehlen gänzlich. Aber genau auf diese wichtigen Details kommt es an. Daher müssen wir einen entsprechenden Kommentar dazu schreiben.

Grundsätzlich haben wir bereits seit 2005 unsere Sicherheitskonzepte ständig überarbeitet und den gefahrenen Zeiten und Geschwindigkeiten angepasst. Sowohl die Stahlwände als auch später die Betonwände waren Sicherungsmaßnahmen, welche wir in Eigenregie vorgeschlagen und umgesetzt haben. Im jeweils folgenden Jahr waren die von uns getroffenen Maßnahmen dann gleich eine Auflage des Amtes. Über die erteilten Auflagen hinaus haben wir in Eigenregie die Sicherheit weiter verbessert. So haben wir eine eigene Streckenend-Feuerwehr gestellt. Diese hatte einzig und allein die Aufgabe, brennende Rennwagen nach der Zieldurchfahrt zu löschen und den Fahrer im Notfall zu bergen. Das war nun eine kleine Auswahl an Maßnahmen, welche wir ergriffen haben, um unsere Zuschauer und Fahrer zu schützen.

Ungeachtet dessen haben wir seit 5 Jahren mit ständig steigenden Auflagen zu tun. Hintergrund sind nicht etwa tatsächliche Vorkommnisse innerhalb des Rennens oder der Party drum herum. Da gab es in 14 Jahren und 19 Veranstaltungen keine größeren Probleme. Leichte Verletzungen sind vorgekommen, Schwerverletzte oder Tote gab es nicht! Grund hierfür ist vielmehr das Amt für Brand- und Katastrophenschutz, welches dem Ordnungsamt als Genehmigungsbehörde eine Stellungnahme zu jedem Event zuarbeitet. Dort sind dann alle Forderungen des Fachamtes aufgeführt. Diese Forderungen wurden, wie gesagt ohne triftige Gründe, von Jahr zu Jahr deutlich umfangreicher. Das besagte Amt machte in Ihrer Berechnung für die Anzahl der Sanitäts- und Feuerwehrkräfte nach dem „Maurer-Algorithmus“ aus unseren friedlichen Gästen kurzerhand „gewaltbereite Besucher“, wohlweislich, dass sich damit die Anzahl der geforderten Sanitäts- und Feuerwehrkräfte deutlich erhöht. Diese Praxis wurde auch nach entsprechender Beschwerde unsererseits nicht geändert. In der Spitze verweigerte das Amt für Brand- und Katastrophenschutz dem Ordnungsamt eine entsprechende Stellungnahme mit dem Hinweis auf die extreme Gefährlichkeit der Veranstaltung. Rechtlich kann das Ordnungsamt sicherlich auch ohne diese Stellungnahme eines Fachamtes einen Bescheid erstellen, begibt sich aber verwaltungsrechtlich auf „dünnes Eis“.

Nach der Veranstaltung im Jahr 2017 hat man uns mitgeteilt, dass man für die Veranstaltung 2018 ein Gutachten eines staatlich bestellten Gutachters (!) für den Bereich „Motorsport“ und den Bereich „Vergnügung“ fordern werde, da man sich fachlich nicht in der Lage sehe, die Situation einzuschätzen. Und das nach 18 (!) zu diesem Zeitpunkt erstellten Genehmigungen für die SPEEDDAYS. Nach Prüfung unsererseits teilten wir dem Amt mit, dass es in Deutschland keine staatlich bestellten Gutachter für Veranstaltungssicherheit gibt, auch nicht im Bereich Motorsport. Das Amt ruderte daraufhin zurück und verlangte einen Gutachter, welchen wir dem Amt vorstellen und vom Amt genehmigen lassen müssen. Wir ließen uns vom Amtsleiter des Ordnungsamtes schriftlich geben, dass man die Auflagen des neuen Sicherheitskonzeptes akzeptieren würde und wir somit Planungssicherheit haben.

Nach längerer Suche und unzähligen Absagen präsentierten wir einen Sachverständigen für Veranstaltungssicherheit, welcher den Anforderungen des Amtes genügte, auch wenn er kein Gutachter war. Für den Bereich Motorsport ließ sich kein entsprechender Gutachter in Deutschland auftreiben, schlicht weil es keinen in Deutschland gibt. Über den Deutschen Motorsport Bund beantragten wir alternativ dann eine entsprechende Streckenlizenz für Dragstersport-Veranstaltungen, die wir auch ohne weitere Maßnahmen erhielten. Lediglich unsere Betonwände entlang der Strecke mussten gegen FIA-zugelassene Wände getauscht werden. Weder vom Aufbau der Rennstrecke noch von der Rückführung der Rennfahrzeuge zum Start hin gab es Einschränkungen oder Auflagen. Nach langer Planungsarbeit mit dem Sachverständigen hielten wir kurz vor dem Event ein entsprechendes Sicherheitskonzept in der Hand. Aufgrund der Tatsache, dass der Sachverständige keinerlei Erfahrungen mit einem Motorsport Event hatte, war er 3 Tage lang vor Ort und regte kleinere Verbesserungen an, welche entweder sofort umgesetzt wurden oder für 2019 in die Planung gingen. Inhaltlich brachte das neue Sicherheitskonzept kaum neue Erkenntnisse, da im Wesentlichen die Abläufe des bestehenden Events beschrieben wurden. Nur eben detaillierter und mit mehr Papier. Im Übrigen war mit der Annahme des neuen Sicherheitskonzeptes 2018 durch die Ämter der Status der „Vorläufigkeit“ erloschen. Denn das gibt es rechtlich nicht!

Die für 2019 angeregten Veränderungen betrafen teilweise den Bereich Motorsport (und waren aufgrund der fehlenden fachlichen Qualifikation des Sachverständigen im Bereich Motorsport daher nur informativ) und dem Bereich „Vergnügung“. In diesem Bereich gab es einige Vorschläge hinsichtlich des Aufbaus der vorderen Parkplätze neben dem Flugplatz-Tower, des Aufbaus des Infields und anderer kleiner Organisationspunkte. Alles in allem aber nichts Neues und vor allem nichts, was das Event an sich in Frage gestellt hat.

Wir regten nach dem Event 2018 eine entsprechende Auswertung an. In diesem Termin bei der Landrätin im Oktober 2018 wurde der weitere Weg besprochen. Es wurden zeitliche Fenster definiert, die eine frühere Bescheid-Erstellung möglich machen sollten. Das Ordnungsamt war mit der Situation eines funktionierenden Sicherheitskonzeptes und einer gültigen Streckenlizenz für den Dragstersport leider nicht zufrieden und formulierte, ohne unser Wissen, direkt an den Deutschen Motorsport Bund (DMSB) einen großen Fragenkatalog, in dem man versuchte, die Lizenz fachlich auseinander zu nehmen. Inhaltlich suchte man das Haar in der Suppe, anders können wir uns nicht erklären, warum man im Vorfeld der Veranstaltung kompetente Gutachten und Lizenzen einfordert, weil man sich selbst nicht in der Lage sieht, die Situation sachlich richtig zu bewerten, um dann nach Erteilung selbiger sich wieder seiner fachlichen Qualitäten zu besinnen und die Dinge, die darin stehen, anzuzweifeln. Besonders bedenklich ist die ganze Sache vor dem Hintergrund, dass die geforderten Gutachten und Lizenzen aufzeigten, dass in den vorangegangenen Jahren das Landratsamt in Punkto Auflagen deutlich über das Ziel hinausgeschossen war. In der Folge dieser Anzweifelung des Ordnungsamtes prüfte der Deutsche Motorsport Bund (DMSB) sehr ausgiebig, bevor wir die Lizenzverlängerung 2019 Anfang Februar dann endgültig erhielten. Wie aus 2018 bekannt, ist die Lizenz bis zur tatsächlichen Abnahme der Strecke durch den DMSB im Zuge des Veranstaltungsaufbaus immer vorläufig! Die neuerliche Streckenlizenz genehmigte ausdrücklich den Aufbau des Events inkl. der Rückführung der Rennfahrzeuge hin zum Start.

Nach Erhalt der vorläufigen Streckenlizenz kümmerten wir uns ab Februar um die Überarbeitungen im Sicherheitskonzept. Um die Qualität des Sicherheitskonzepts noch weiter zu steigern und den Genehmigungsbehörden die Angst vor dem Event zu nehmen, beauftragten wir einen sehr renommierten EU-Sachverständigen für Veranstaltungssicherheit, der zeitgleich auch noch als Gutachter arbeitet. Dieser Gutachter nahm sich des Sicherheitskonzeptes an und arbeitete die seiner Ansicht nach sinnvollen Veränderungen ein. Da wir davon ausgegangen sind, dass es noch Änderungswünsche gibt, war die 2019er Version ebenfalls vorläufig, sprich noch nicht in Stein gemeißelt und noch anpassbar. Eine übliche Praxis entsprechend unseres Gutachters.

In der weiteren Folge gab es wieder Termine mit dem Ordnungsamt. Als besonders kritisch erwies sich die ganze Problematik der Umleitungen hin zum Eventgelände. Unser Gutachter erarbeitete einen konkreten Vorschlag, wie man eine 3. Umleitung (zwei Umleitungen gab es aufgrund von Bauarbeiten um das Alkerslebener Kreuz bereits) verhindern könnte, indem man die bestehenden drei Ein- und Ausfahrten sinnvoll nutzt und entsprechend der tatsächlichen Gefährdungslage als zusätzliche Rettungszufahrt widmet. Hier konnten wir leider keine Einigung mit dem Amt erreichen, da man die Fachmeinung des EU-Sachverständigen und Gutachters anzweifelte. In der dann letzten Besprechung appellierten wir nochmals an alle Beteiligten, den Empfehlungen des Gutachters zu folgen. Den darauffolgenden Termin konnten wir nicht wahrnehmen, weil er von einem auf den anderen Tag anberaumt wurde. Zwischenzeitlich hatten wir uns rechtlichen Beistand geholt, da die Situation zu entgleiten schien. Mitte Juni sollte es nochmals einen Termin geben, welchen wir abgesagt haben mit der Bitte um die Erstellung eines Bescheides, da wir ohne Bescheid und die entsprechend notwendige Begründung vor Gericht nichts machen können. Dieser Bescheid wurde dann erstellt und ging uns am 26.06.19, 10:27 Uhr per Mail zu. Nach rechtlicher Prüfung durch unseren Anwalt haben wir uns dazu entschieden, die Veranstaltung auf einen neuen Termin und einen neuen Rennplatz zu verschieben.

Grundsätzlich ist nichts gegen sinnvolle Auflagen, die ein hohes Maß an Sicherheit für Zuschauer und Fahrer sicherstellen, zu sagen. Wenn eine Veranstaltungsgenehmigung aber zunehmend zu einer Farce verkommt, in der versucht wird, durch immer höhere Auflagen ein Event kostenseitig so teuer zu machen, dass der Veranstalter in Größenordnungen „drauflegt“ und sich dadurch das Event auf Sicht von selbst erledigt, dann ist ein faires Genehmigungsverfahren nicht mehr zu erwarten. Anders sind uns die neuerlichen Forderungen des Landratsamtes nicht zu erklären. Besonders das Versagen des Aufbaus der Rückführung der Rennfahrzeuge zum Start, welcher seit nunmehr 14 Jahren fast identisch genehmigt wurde, bestätigt unsere Vermutung. 2019 sollte ein Rennen nur noch möglich sein, wenn eine rund 1 km lange Betonwand die ausrollenden Fahrzeuge im Auslauf der Rennstrecke davon abhalten sollte, 90 Grad abzubiegen (gegen jegliche Physik) und dann trotz stark reduzierter Geschwindigkeit noch rund 80 m über Rasen zu rollen. Die zusätzlich installierte Barriere aus nicht benötigten Anhängern sollte laut Aussagen des Landratsamtes keine Stoppwirkung haben, vielmehr würde die Wucht des Aufpralls des ausrollenden Rennwagens die dort parkenden Hänger zu Geschossen umfunktionieren. Um diese Behauptung zu untermauern, wurde ein Gutachter herangezogen, der weder Ahnung von Motorsport hat geschweige denn über die entsprechende Fachkompetenz und Ausbildung verfügt, solche Aussagen aufzustellen und mit entsprechenden Berechnungen zu beweisen. Als Alternative bot uns das Landratsamt an, die kompletten Parkplätze / Zeltplätze / Fahrerlagerboxen auf rund 900m entlang der Rückführung komplett zu streichen. Wir sprechen hier von rund 60% unserer Kapazität an Parkplatz und Zeltplätzen. Natürlich wusste das Landratsamt um die Bedeutung dieser Forderung. Seit Jahren sind wir gerade mit den Parkplätzen und den Fahrerlageboxen am absoluten Limit und Ausweichflächen auf dem Gelände oder den umliegenden Äckern gibt es nicht bzw. sind so kurzfristig nicht zu aktivieren.

In der Summe all dieser „Maßnahmen“ des Landratsamtes ist es für uns nicht möglich, die SPEEDDAYS 2019 in Alkersleben zu veranstalten. Das tut uns sehr leid, besonders für unsere treuen Fans und Besucher. Viele davon sind von Anfang an dabei.

Zukünftig werden wir die SPEEDDAYS u.a. vor den Toren Berlins ausfahren. Wir hoffen darauf, dass uns viele Teams und Zuschauer auch weiterhin begleiten.

Mit freundlichen Grüßen

Dein SPEEDDAYS Team
 
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